(März 2026)
„Das Frauenhaus Soest bleibt ein unverzichtbarer Schutzraum für Frauen und Kinder im Kreis Soest“, betont Pfarrerin Birgit Reiche, Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e. V. (EFHiW). Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen eindrücklich, wie dringend dieser Schutz benötigt wird – und wie sehr die Einrichtung an ihre Kapazitätsgrenzen stößt.
Das FRAUENHAUS SOEST verfügte 2025 über 19 Plätze für Frauen und ihre Kinder. Es bietet Frauen und ihren Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, eine geschützte, anonyme Wohnmöglichkeit, Beratung und Begleitung während des Veränderungsprozesses.
Im Jahr 2025 lebten 42 Frauen, darunter 35 neu aufgenommene, im FRAUENHAUS SOEST. Sie kamen überwiegend aus Situationen massiver häuslicher Gewalt, meist durch ihre Partner. Die Mehrheit der Frauen war zwischen 18 und 40 Jahren alt – ein Hinweis darauf, wie früh Gewaltbiografien beginnen und wie entscheidend frühzeitige Unterstützung ist.
Mit ihnen kamen 53 Kinder, davon 40 neu aufgenommene. Die meisten sind jünger als 14 Jahre. Sie prägen das Leben im Haus, suchen Ruhe, Stabilität und die Chance, das Erlebte zu verarbeiten. Für viele ist das Frauenhaus der erste Ort, an dem sie frei von Angst schlafen können.
Mit 6.015 Belegungstagen war das Frauenhaus 2025 zu über 86 % ausgelastet. Damit bleibt die Situation angespannt: Fast 160 Frauen suchten im vergangenen Jahr Schutz, konnten jedoch nicht aufgenommen werden. Ein Drittel dieser Anfragen musste direkt abgelehnt und an andere Stellen verwiesen werden, weil kein Platz frei war.
Reiche macht deutlich: „Diese Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf ist. Jede Frau, die wir nicht aufnehmen können, ist eine Frau zu viel.“
Das FRAUENHAUS SOEST verfügt über ein Profil, das in der Region einzigartig ist: Es kann auch Mütter mit mehreren Kindern aufnehmen. 2025 fanden fünf Frauen mit drei Kindern sowie zwei Mütter mit vier oder mehr Kindern Schutz im Haus. Für diese Familien ist das Angebot oft die einzige realistische Möglichkeit, gemeinsam aus einer Gewaltbeziehung zu fliehen.
Doch gerade für größere Familien bleibt der Auszug aus dem Frauenhaus eine Herausforderung. Der angespannte Wohnungsmarkt erschwert die Suche nach bezahlbarem, geeignetem Wohnraum erheblich.
Die meisten Frauen und Kinder bleiben bis zu drei Monate im Frauenhaus. Rund 15 % benötigen jedoch einen Aufenthalt von bis zu einem Jahr, um Sicherheit zu gewinnen, Traumata zu erkennen und neue Lebenswege zu planen.
Das multiprofessionelle Team des Frauenhauses begleitet sie dabei engmaschig. Die sozialpädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die seit 2023 fest im Konzept verankert ist, hat sich weiter bewährt. Sie stärkt die Mutter-Kind-Bindung, hilft Kindern, Worte für das Erlebte zu finden, und schafft Strukturen, die den Familien den Übergang in ein selbstbestimmtes Leben erleichtern.
Pfarrerin Birgit Reiche unterstreicht: „Die Istanbul-Konvention verpflichtet die Politik, ausreichend Schutzplätze für Betroffene häuslicher Gewalt bereitzustellen. Die Realität zeigt jedoch: Im Kreis Soest reichen die vorhandenen Plätze bei weitem nicht aus.“
Die EFHiW hat Anfang März die Platzzahl des FRAUENHAUS SOEST von 8 auf 16 Frauen verdoppelt. Laut der Istanbul-Konvention ist das Land verpflichtet, entsprechende Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt einzurichten und zu finanzieren. Demnach ist je 10.000 Einwohner*innen ein Platz in einem Frauenhaus vorzuhalten. Für den Kreis Soest mit 300.000 Einwohner*innen wären das 30 Plätze für Frauen. Das Angebot gilt es also weiter auszubauen und langfristig mehr Frauen und Kindern Schutz zu ermöglichen.
Weiteres unter www.frauenhaus-soest.de