Vertrauliche Spurensicherung im Kreis Soest gestartet

(Juni 2026)

Vertrauliche Spurensicherung im Kreis Soest gestartet (Juni 2026)

Seit Anfang Juni gibt es im Kreis Soest erstmals die Möglichkeit einer vertraulichen Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt. Das Klinikum Lippstadt sichert am Standort Wiedenbrücker Straße Spuren und dokumentiert Verletzungen – ohne dass Betroffene sofort eine Anzeige erstatten müssen. Für die FRAUENBERATUNG SOEST und die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen ist dieses neue Angebot ein zentraler Baustein, um Betroffene frühzeitig zu unterstützen und ihnen Handlungssicherheit zurückzugeben.

Sexualisierte Gewalt führt häufig zu einer seelischen Ausnahmesituation. Viele Betroffene können unmittelbar nach der Tat nicht zur Polizei gehen – Schock, Angst, Scham oder Traumatisierung stehen dem oft im Weg. Die vertrauliche Spurensicherung schafft hier eine geschützte Möglichkeit, Beweise sichern zu lassen, ohne sich sofort für oder gegen eine Anzeige entscheiden zu müssen. Die Entscheidung bleibt vollständig bei der betroffenen Person und kann zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.

Im Klinikum Lippstadt übernehmen speziell geschulte Ärztinnen und Ärzte der Gynäkologie die Dokumentation und Spurensicherung. Sie arbeiten mit dem „intelligenten Gewaltopfer‑Beweissicherungs‑ und Informationssystem“, das eine gerichtsfeste Archivierung ermöglicht. Das Angebot richtet sich zunächst an Frauen; eine Erweiterung für männliche Betroffene befindet sich im Aufbau.

Für die FRAUENBERATUNG ist klar: Die vertrauliche Spurensicherung stärkt Betroffene, weil sie Zeit, Schutz und Optionen bietet. Gleichzeitig ergänzt sie die bestehenden Unterstützungsstrukturen im Kreis Soest. Informationen zum Ablauf, zu Gründen für eine Spurensicherung und zu weiteren Hilfsangeboten stellt der Kreis Soest unter vertrauliche‑spurensicherung.de bereit. Beratungsstellen, Schulen und andere Institutionen können dort auch kostenfreies Informationsmaterial anfordern.

Das Angebot ist Teil der Kreiskooperationsrunde „Häusliche Gewalt und Kinderschutz“, in der Akteurinnen und Akteure aus Jugendhilfe, Gesundheit, Justiz, Beratungsstellen, Gleichstellungsarbeit, Frauenhilfe und Polizei zusammenarbeiten. Im Netzwerk „Vertrauliche Spurensicherung (VSS)“ findet zudem ein regelmäßiger fachlicher Austausch statt, um weitere Anlaufstellen im Kreis Soest aufzubauen. Ein zusätzliches Angebot am Christlichen Klinikum Soest‑West ist bereits in Planung.

 

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